Festungen in Westerwolde, Groningen

Die Festungsstädtchen Bourtange und Oudeschans

Eine Festungsstadt ist eine Stadt, die einst an einem strategisch wichtigen Punkt lag und bei der Verteidigung des Landes gegen feindliche Übergriffe eine wichtige Rolle spielte. Im Gegensatz zu einem Fort wohnten in einer Festung nicht nur Soldaten, sondern auch Bürger. 

Sie möchten wissen, wie die Menschen im 16. Jahrhundert in den Festungsstädtchen Bourtange und Oudeschans lebten? Und Sie möchten erfahren, welche Rolle diese Festungsstädtchen in der Geschichte der Niederlande gespielt haben? Dann sollten Sie diese imposanten Verteidigungsanlagen unbedingt besuchen!

Die Geschichte von Bourtange

Die Festung Bourtange ist im Achtzigjährigen Krieg entstanden. Die Vorfahren der Niederländer im 16. Jahrhundert waren noch nicht in der Lage, den Grundwasserpegel zu kontrollieren. Die Hälfte der Fläche der heutigen Provinzen Groningen und Drenthe bestand aus großen, undurchdringlichen Mooren. Diese Moore konnten nur an einigen wenigen Stellen über harte Sandrücken durchquert werden. Zu diesen Sandrücken gehörte auch die Stelle, an der später Bourtange entstehen sollte.

1580 war die Stadt Groningen von den Spaniern besetzt. Wilhelm von Oranien erteilte den Auftrag zum Bau einer Schanze mit fünf Bastionen auf dem Sandrücken im Moor entlang der deutschen Grenze. Über diesen Sandrücken (auch Tange genannt) verlief nämlich der Weg, der die Stadt Groningen mit Lingen und Westfalen verband. Die Spanier nutzten diese Route unter anderem für die Bevorratung der Stadt. Der Prinz hoffte, diese wichtige Handelsroute durch den Bau der Schanze sperren zu können, um die Stadt Groningen auf diese Weise komplett zu isolieren.  

Nach dem Entwurf des Festungsbauers Adriaan Anthoniszoon, der auch Bürgermeister von Alkmaar war, ist Bourtange zu einer fünfeckigen Bastion geworden.  Im April 1580 wurde zuerst der Graben um das Feld ausgehoben. 1593 war die Schanze fertig.

Bourtange wurde im Laufe der Jahrhunderte fortlaufend verstärkt, dies als Ergebnis der sich wandelnden Grenze, der neuesten Erkenntnisse und der um ein Vielfaches angestiegenen Feuerkraft der Geschütze. 1742 erreichte die Festung ihren größten Umfang und verlor danach durch die Entstehung der ‘modernen Kriegsführung’ allmählich ihre Funktion. Die Garnison wurde reduziert und immer mehr Bürger ließen sich innerhalb der Festungsmauern nieder. 1851 wurde die einst so wichtige Festung offiziell aufgelöst. 

Gut ein Jahrhundert nach der Auflösung der Festung fasste die Gemeinde Vlagtwedde den Beschluss zur Rekonstruktion der historischen Festung. Nach vielen arbeitsreichen Jahren präsentiert sich die Festung Bourtange heute fast wieder so wie im Jahr 1742.

Quelle: www.bourtange.nl

Bourtange heute

Die Festung Bourtange ist eine der wichtigsten touristischen Attraktionen der nördlichen Provinzen. In der Festung finden Sie mehrere Museen mit umfassenden Informationen über die Geschichte der Verteidigungsanlage.

Ferner gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die Festungsunterkünfte, zwei Gastronomiebetriebe, attraktive Geschäfte und viele Möglichkeiten für Gruppenausflüge.

Die Festung hat ganzjährig eine Vielzahl von Aktivitäten zu bieten, von Märkten unterschiedlicher Art bis hin zu realistisch nachgespielten Schlachten. Das Abschießen einer alten Kanone am Sonntagnachmittag ist ein echtes Erlebnis.

Die Geschichte von Oudeschans

Oudeschans entstand rund um die Bellingwolderzijl (zijl = ins Meer führende Schleuse), die in der Mitte des 16. Jahrhunderts im Fluss Westerwoldse Aa gebaut wurde. Bellingwolderzijl lag damals am offenen Wasser des Dollard.

Während des 80-jährigen Krieges erbaute Graf Wilhelm Ludwig 1593 nahe Bellingwolderzijl eine Festung, vor der er mit 150 Schiffen anlegte und wo eine 2.200 Mann starke Armee an Land ging. Die Festung spielte in den Jahren 1593 und 1594 eine wichtige Rolle in dem Kampf der Truppen der staatlichen Partei (der Holländer) gegen die spanischen Machthaber.

Die Festung (damals Bellingwolderschans genannt) erhielt die Form eines unregelmäßigen Quadrats. Die "zijl" lag weiterhin innerhalb der Festung, sodass auch die Westerwoldse Aa nach wie vor durch die Festung floss. Die Schanze lag an einem überaus strategischen Punkt, denn durch das Öffnen der Schleuse konnte man Meerwasser hineinlassen oder, durch das Schließen der Schleuse, das Wasser der Westerwoldse Aa aufhalten. So konnte ein großes Gebiet überschwemmt werden. Im Laufe der Zeit wurde die Bellingwolderschans verstärkt und es kam immer mehr Bebauung hinzu.

Im Jahr 1628 wurde die Langakker- oder Nieuwe Schans angelegt; dadurch wurde die Bellingwolderschans ab dem Moment (de) Oude Schans genannt.

Oudeschans lag zunächst unweit des Dollard und zwar bis 1657 der Deich von Nieuweschans nach Stocksterhorn angelegt wurde. Durch diesen Deich wurde die gesamte Region südwestlich von Nieuweschans trockengelegt. 1659 wurde auch die Westerwoldse Aa um die Niederlassung herumgeführt. Erst damals erhielt der Ort Oudeschans seine heutige Form.

Im Kampf gegen den Bischof von Münster (Bommen Berend - "Bomben-Bernd") im Jahr 1672 und während der Zeit der französischen Besatzung (1795) spielte die Festung Oudeschans wieder eine bedeutsame Rolle.

Die Festung Oudeschans wurde 1814 aufgelöst, aber an der Struktur des Dorfes hat sich nur wenig geändert. Der Straßenplan ist erhalten geblieben und im heutigen Flurplan erkennt man noch, wo früher die Wälle und Grachten verliefen.

Bei der Rekonstruktion der Festung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden einige Spuren von Wällen, Grachten und Bastionen auf der Südwestseite des Dorfes deutlich akzentuiert, wodurch die heutigen Besucher ein klares Bild (eines Teils) der ursprünglichen Form der Festung erhalten.

Quelle: www.vesting-oudeschans.nl

Oudeschans heute

Oudeschans hat ein eigenes Festungsmuseum. Hier erfahren Sie alles über die Region, in der 1568 der 80-jährige Krieg mit Spanien begann.

Und wenn Sie dem markierten Wanderweg folgen, werden Sie unterwegs viele interessante Orte und historische Objekte im Dorf und in der näheren Umgebung entdecken.

In Oudeschans gibt es diverse kleine Galerien und Geschäfte, die Kunstobjekte, Antik und Allerlei für Haus und Garten verkaufen.

Von September bis Mai finden in der Garnisonskirche jeden Monat Kaffeekonzerte statt. In diesen Konzerte werden Werke aus unterschiedlichen Genres gespielt. Die Saison der Kaffeekonzerte wird jährlich mit dem mittlerweile berühmten Oudeschanskerdag beendet. An diesem Tag findet in Oudeschans ein großer Kunst-, Bauern- und Antikmarkt statt.